Falsche Entscheidungen - oder sind Fehler erlaubt?

Der heutige Post dreht sich nicht um ein HSP-Thema. Sondern um die Frage, wie man selber mit fehlerhaften Entscheiden im Leben umgeht. HSP sind auch davon betroffen, aber nicht nur. 

 

Wir leben in einer Zeit und in einem Umfeld, in dem Fehler nur begrenzt erlaubt sind. Nur wenn man etwas am Lernen ist, dürfen Fehler gemacht werden - doch auch diese Zeit der Toleranz ist limitiert. Wenn nicht innert einer gewissen Zeit das Gelernte sitzt, wird man (und tut man sich selber) als dumm aburteilen. 

 

Dieses Hetzen, dieser Zeitdruck im Lernen ist kontraproduktiv. Die Zeit ist heilsam, die Zeit bringt den Keim erst zum Blühen. Der Prozess den ein Mensch durchgehen will/soll, braucht seine individuelle Zeit. Das ist mal das eine.

 

Das andere ist: Jeder Mensch entscheidet nach bestem Wissen und Gewissen, aufgrund der Fakten und Bauchgefühl, die in dem Menschen stecken. Also versucht jeder meistens, eine gute Entscheidung zu fällen. Und riskiert dabei, eine "fehlerhafte" zu fällen. Weil wir alle einfach nicht wissen, wie die Zukunft aussieht. 

 

Und wisst ihr, was das Beste ist? Auch fehlerhafte Entscheidungen dürfen sein. Nicht jede fehlerhafte Entscheidung muss einen "Sinn" haben oder ist eine "Lernerfahrung". Manchmal ist es einfach das, was es ist: Eine Entscheidung, die nach hinten losging, weil du nicht wusstest, wie die Zukunft ausgeht. Du hast auf Risiko gesetzt und dabei verloren.

 

Und das ist auch absolut in Ordnung so. 

 

Im Wahn der Selbstoptimierung/Selbstfindung/Leistungsorientierung kann es schnell dazu verleiten, alles als eine Lernaufgabe zu sehen, weil man noch ein dummes Menschlein ist. Doch Fakt ist einfach auch: Das Leben ist nun einmal nicht vorhersehbar. Und wir fällen Entscheide mit dem Risiko die falsche getroffen zu haben. Just face it: du bist nicht perfekt, du bist nicht allwissend. 

 

Und dabei ist das Beste: Du musst nicht alles können. 

 

Leider hat auch in der Selbstfindung der Leistungswahn eingesetzt. Wir trimmen uns, auf den Bauch zu hören, alle Fakten zu recherchieren, unsere Muster zu bewältigen, in der Quantenwelt nach Heilung zu suchen - und erlauben uns dann noch weniger, zu "failen". Wie sollte man sich das denn erlauben, jetzt wo einem in der Selbstoptimierung so viele Möglichkeiten offen stehen?

 

Die Antwort ist einfach: Weil wir Menschen sind - und das  ist herrlich. Weil Verlieren und Gewinnen zum Leben gehören. Und weil wir (wenn wir wollen) mit jedem Fail lernen mit Verlusten besser umzugehen. Weil wir resilienter und stärker werden mit jeder falschen (schmerzhaften) Erfahrung. Und weil die Siege umso süsser kosten, wenn man weiss, wieviel man dafür geweint, gekämpft, geblutet und gearbeitet hat. 

 

Also kurzum: Liebe dich selber, selbst wenn du die bescheuertste Entscheidung deines Lebens triffst. Lache über dich, wenn du eine falsche Entscheidung getroffen hast. Lache darüber im Heute, aus der Stärke heraus, mit voller Liebe zu dir selber. Wie die beste Freundin, die liebevoll über eine manchmal verpeilte andere Freundin lacht - und sie trotzdem (oder deswegen) immer lieben wird. 

 

Glaub mir, diese Haltung entlastet und befreit ungemein. 

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