Don't crack under pressure

Diese Corona-Krise bringt viele Herausforderungen. Einige wurden zum ersten mal in ihrem Leben mit solch einschneidenden Massnahmen konfrontiert. Du darfst plötzlich nicht mehr raus wann und wohin du willst. Du darfst nicht mehr treffen wen du willst. Im Gegenteil, du wirst angehalten, zum Schutze der anderen ALLEINE zu bleiben. Zu Zeiten der totalen Vernetzung, der Alles-ist-sofort-verfügbar ein total konträrer Trend. War der neue Partner/die neue Partnerin schnell via Tinder ausgewählt und verfügbar (ob es dann passt oder nicht sei mal dahingestellt), ist der/die neue Partner/in jetzt nicht mehr verfügbar. Man kann heute zwar noch tindern - aber treffen? Pustekuchen. Und dieser Zustand wird sicher noch andauern. 

 

Plötzlich wirst du zurückgeworfen auf dein Zuhause. Ob du nun alleine bist, mit einem Partner, mit Kindern... Und wirst auch auf dich zurückgeworfen. Magst du deine Mitbewohner wirklich? Magst du die Version von dir, die zuhause ist? Was ist echt an dir? Wirst du so akzeptiert wie du bist - und hältst du dich selber auch aus? Macht der Lehrer wirklich so einen schlechten Job oder ist unterrichten wirklich anspruchsvoll? Wie sehr schafft man es als Paar/Familie/Person, mit dieser neuen Situation umzugehen?

 

Es gibt dafür kein Patentrezept, wie "man" am besten mit dieser Situation umgehen kann. Schliesslich ist jede/r anders gestrickt, hat ein unterschiedliches Bedürfnis nach sozialer Interaktion und andere Rahmenbedingungen. Eine alleinerziehende Mutter mit 2 Kindern mit Homeschooling kann sich während der Corona-Krise wohl kaum auf sich selber konzentrieren - sondern wird wohl mehr als nur am Limit laufen, um überhaupt alles unter einen Hut zu kriegen. 

 

Ich als kinderlose Coach, Yogalehrerin und -ausbildnerin habe es da schon gemütlicher. Ich kann mich meinen Projekten widmen, lesen, online mit Freunden/innen kommunizieren und abends Zeit mit meinem Partner geniessen. Ob man etwas gutes aus dieser Zeit herauszieht, ist dabei ganz individuell. Wenn die finanziellen Reserven nicht da sind, kann das belastend sein. Wenn du unter Einsamkeit leidest und gleichzeitig nicht Kontakt aufnehmen kannst, ist das auch belastend. Wenn du dich nicht weitergebildet oder diversifiziert hast als Selbständige/r und nun mit deinem einen Standbein das ganze Einkommen wegbricht (=Klumenrisiko), zwingt dich diese Situation zur Kreativität - doch kannst du auch was anbieten? Nicht jede/r kann etwas online anbieten. Da nützt das ganze romantische Chakka-du-schaffst-das-biete-einfach-was-online-an-Gerede auch nicht. 

 

Was helfen kann: Habe ich schon mal eine solche/ähnliche belastende Situation erlebt? Wie bin ich damit umgegangen? Was hat mir damals geholfen? Was kann mir jetzt helfen?

 

Resilienz (die Fähigkeit, sich aus schwierigen Zeiten wieder zu erholen) ist in aller Munde. Und oft haben die Menschen die Hoffnung, dass es eine geheime Technik gibt, die dich sofort resilienter, stärker, robuster macht. Die Wahrheit ist: Es gibt Techniken, aber die wirken nicht wie eine Pille - einmal nehmen und alles ist gut. Sie wirken, ja. Auch sofort, ja. Doch man muss diese Techniken immer und immer wieder anwenden. Jedesmal, wenn die Situation es erfordert. Das nennt man Training. Wie die Meditations-Praxis ein Training ist (Meditations-Training), will die mentale Stärke auch trainiert werden. 

 

Das positive daran: Man KANN sie trainieren - also ist es MÖGLICH, stärker/resilienter zu werden. Doch man muss dran bleiben. 

 

Ich meditiere seit ich 17 bin. Und seit ich 19 Jahre alt bin praktiziere ich die Kampfkunst. Nicht, weil ich kämpfen will. Nicht weil ich Gewalt mag. Aber ich hatte nach 13 Jahren klassischen Ballett den Anspruch an mein neu zu wählendes Hobby, dass es mit Körperbeherrschung zu tun haben soll und sinnvoll sein soll. Ich wollte eine bessere Version meines Körpers erschaffen: schneller, flexibler, stärker, effizienter. Weil ich daran glaubte, dass mehr in meinem Körper steckt. Weil ich glaubte, es steckt mehr in MIR. Weil ich an das Wunder "Körper" glaube. 

 

Und während ich Kampfkunst trainierte, bemerkte ich: Ich werde auch mental stärker und widerstandsfähiger. Weil du immer wieder (physischem) Druck ausgesetzt bist, immer wieder Niederlagen erlebst, dich immer wieder dazu antreibst besser zu werden. Du suchst stets nach Lösungen, schneller, besser, effizienter zu werden. Du versuchst, das Maximum aus deinem Körper und deinen Abläufen herauszuholen - ohne deinen Körper dabei kaputt zu machen. Du lernst, das leise Jammern des Körpers und deines Geistes zwar wahrzunehmen, aber du neigst nicht dazu dieses zu überbewerten. Und du merkst mit der Zeit: Du bist zu viel mehr fähig, als du es dir jemals zugetraut hättest. Und dieses Vertrauen in dich selber lässt Mut in dir erwachsen. Den Mut, Neues anzugehen, Neues zu wagen, mit dem Vertrauen in dich und deine Fähigkeiten. 

 

Diese Widerstandskraft erwächst aus jahrelangem Training - mentalem und physischem Training. Keine schnelle Pille, aber dafür nachhaltig. 

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